Hintergründe
Die Wissenschaft hinter den Büchern. Jeder Begriff ist so erklärt, wie der Roman ihn verwendet. Darunter steht, was davon echt ist. Die Angaben zur Wirklichkeit haben den Stand Oktober 2026.
Atlantische Umwälzzirkulation
Ein Kreislauf im Atlantik, der Wärme nach Norden bringt. Warmes Wasser fließt oben nach Norden, kühlt dort ab, wird schwer, sinkt und läuft in der Tiefe zurück nach Süden; nach dem Buch schiebt der Atlantik so jede Sekunde siebzehn Millionen Kubikmeter warmes Wasser nach Norden. Darum friert Hamburg im Februar nicht zu, obwohl es auf dem Breitengrad von Labrador liegt. Lena vergleicht sie mit einer Heizung: Schaden entsteht nicht erst beim Zusammenbruch, sondern schon, wenn sie langsamer läuft, als die Deiche gerechnet sind.
Tiefströmung (Titel Band 1)
Der untere, kalte Teil der Umwälzzirkulation: Das abgesunkene Wasser läuft „als kalte Tiefströmung zurück nach Süden“. Wie viel absinkt, entscheidet nach Lena über alles, und das sieht kein Satellit; dafür muss man hinausfahren und das Tiefenprofil messen. Der Amazon-Text spielt mit dem Wort: Nicht nur der Atlantik hat eine Tiefströmung.
Kalibrierung
Kalibrieren heißt, ein Messgerät mit einem bekannten Referenzwert zu vergleichen und die Abweichung festzuhalten. Das Nachstellen nennt man Justieren. Lena nennt die Kalibrierprotokolle einer Sensor-Baureihe im Nordatlantik „großzügig“ und erklärt das Wort: selten und mit viel Spielraum.
Bemessungswasserstand
Der Wasserstand, gegen den die Deiche gebaut sind, im Buch „die Zahl, an der alles hing“. An der Unterelbe ist er auf einen Stand ausgelegt, der statistisch alle zweihundert Jahre erreicht wird; daran hängen die Höhe der Deiche, die Sperrwerke, die Warnzeiten, die Busdepots und die Listen der Pflegeheime. Schwächt sich die Zirkulation weiter ab, steigt der Wasserstand in der Deutschen Bucht schneller als im globalen Mittel, und die Sturmbahnen verschieben sich nach Süden. Lena rechnet eine Nacht lang drei Szenarien: Dann käme dieser Wasserstand alle siebenundzwanzig, alle vierzehn oder alle acht Jahre; zweihundert Jahre heißen einmal im Leben eines Menschen vielleicht, siebenundzwanzig heißen dreimal.
Mittleres Hochwasser
Der Stand, den die Flut an einem gewöhnlichen Tag erreicht. Bei einer schweren Sturmflut liegt das Wasser drei Meter und mehr darüber; ohne Deich stünde es im Erdgeschoss so hoch wie ein Mensch. Wilhelmsburg und Finkenwerder liegen nach dem Buch einen Meter über dem mittleren Hochwasser.
Sturmflut 1962
In einer Nacht im Jahr 1962 starben in Hamburg 315 Menschen. Danach wurden die Deiche erhöht, mit dem Versprechen „nie wieder“. Anna nennt das richtig, „Für den Atlantik, den wir damals hatten.“
Campi Flegrei
Ein Vulkan bei Neapel, den man nicht sieht: kein Berg, keine Spitze, sondern eine Senke, und in der Senke steht die Stadt. Man wohnt nicht neben diesem Vulkan, man wohnt in ihm, und der Boden hebt und senkt sich seit 2000 Jahren. Vom Wasser aus sieht Lena, dass die Hügel hinter Pozzuoli einen Halbkreis bilden: Die Stadt liegt im Krater, und sein Rand ist die Wand.
Pozzuoli
Eine Stadt in den Campi Flegrei, in einem flachen Kessel zwischen Hügeln und Wasser. Mitten in der Stadt stehen drei römische Säulen, in die Meeresmuscheln auf halber Höhe Löcher gefressen haben: Dort war einmal Wasser, dann stieg der Boden. Ein Stadtteil liegt seit über 50 Jahren leer, weil der Boden an einem Morgen im März so schnell stieg, dass 3000 Menschen an einem Tag gehen mussten; 1984 wurde halb Pozzuoli geräumt, bei einer Hebung von knapp zwei Meter im Verlauf der Krise.
Bradyseismus
Das langsame Heben und Senken des Bodens in den Campi Flegrei, begleitet von Schwärmen flacher Beben. Sofia Esposito nennt die Hebung den ehrlichsten und den doppeldeutigsten ihrer Werte: Sie zeigt sicher, dass sich etwas bewegt, aber nicht, was.
Fumarole
Eine Stelle, an der Dampf und Gas aus dem Boden treten. Ihre Gaswerte gehören zu Sofias vier Messreihen; an der Solfatara zischt eine Fumarole wie undichter Dampf, und es riecht nach Schwefel.
Protezione Civile
Der italienische Zivilschutz, der im Ernstfall anordnet, wer gehen muss.
Rote Zone
Der Bereich um die Campi Flegrei, der auf den Karten rot ist. Rot heißt: Wer hier wohnt, muss draußen sein, bevor der Vulkan ausbricht, danach ist es zu spät. Auf der Straße sieht man davon nichts; die rote Zone ist nicht rot, sie ist bewohnt, mit Schulen, Läden und Wäsche über den Gassen.
Warnstufe
Das Stufensystem für den Vulkan, im Buch vier Stufen. Die zweite heißt: genauer hinsehen; erst bei der dritten werden Kliniken und Heime verlegt, erst bei der vierten wird die ganze rote Zone geräumt. Warum es keine einfache Schwelle gibt, erklärt Sofia mit einem Rauchmelder: Er piept ab einer Menge Rauch, weil Rauch nur eine Sache bedeutet; ein Vulkan ist kein Rauchmelder.
Bebenstärke
Sofia übersetzt die Zahlen in Bilder: Bei zwei räuspert sich der Boden, man spürt es nur im Sitzen; bei drei steht die halbe Straße draußen, die Bilder hängen schief; bei vier fällt Putz, die Schulen bleiben zu, niemand schläft. So erklärt es Sofia im Roman. Aktuelle Werte meldet das Osservatorio Vesuviano.
Talsperre, Speicher und Stauziel
Eine Staumauer, im Buch auch „die Sperre“, hält einen Fluss an; dahinter sammelt sich der Speicher, ein Stausee. An der Dorn steht die Mauer für den Strom und damit sie Hochwasser abfängt, bevor es den Ort erreicht. Das Stauziel ist die Höhe, bis zu der der Speicher gefüllt werden darf, angegeben in Meter über Adria. Ein See ist der Speicher nicht, sagt das Buch: Er ist hinter Beton gesammelt und lehnt mit seinem ganzen Gewicht an der einen Wand, die ihn hält.
Druckstollen und Kaverne
Der Druckstollen führt das Wasser aus dem Speicher durch den Berg, an der Dorn 700 m lang, bis ins Krafthaus. Das Krafthaus ist eine Kaverne, eine Halle im Fels, fast 400 m tief im Berg, mit zwei Maschinen, die aus dem fallenden Wasser Strom machen. Das Wasser drückt gegen den Berg, und der Berg gibt es weiter; man spürt es an der Felswand, und das ist normal.
Lastwechsel
So heißt es, wenn eine der Maschinen anfährt oder abfährt. Dann wird das Wasser im Berg plötzlich schneller oder langsamer, und alles, was es führt, Rohre, Stollen, Fels, bekommt das zu spüren. Das ist eingeplant und kommt viele Male am Tag vor; ganz aus dem Stand fährt Maschine eins nur zweimal an, um 15:40 Uhr und um 2:10 Uhr.
Ruck und Schlag
In TIEFENSCHLAG ist das ein Unterschied, den man kennen muss. Bei jedem Lastwechsel kommt ein kurzer Ruck von unten, und der gehört dazu. Ein Schlag ist etwas anderes: ein Geräusch tief im Berg, das man hört, aber kein Gerät anzeigt. Was dahintersteckt, ist die Frage, um die sich der Band dreht.
Schelfrand
Der Rand des Festlandsockels unter dem Meer, im Buch der Norwegische Schelf. Es geht darum, ob dort ein Hang unter Wasser abrutschen und eine Welle bis an die deutsche Küste schicken kann. Lena liest jede Woche Modellnotizen dazu, oft zwei Rechenläufe aus zwei Instituten, die am Schelfrand nicht dasselbe zeigen.
Storegga-Rutschung
Vor 8.000 Jahren rutschte bei Storegga am Rand des Schelfs vor Norwegen ein Hang unter dem Meer ab und schob das Wasser darüber an. Eine solche Welle läuft stundenlang nach allen Seiten; wo das Meer flacher wird, wird sie langsamer und höher. Die Nordsee beschreibt das Buch als flaches, kaltes Becken, das alles, was von Norden kommt, nach Süden in die Ecke schiebt, in der die Elbe liegt.